KlinikDeutsch · Kommunikation in der Psychotherapie · C1–C2

Lektion 02 · Depression

Für alle drei Teile · Depression — Patientensprache · Fachgespräch · Dokumentation

📖✍️ erklären & üben · 4 Aufgaben
Derselbe Inhalt, drei Register — und jedes Register ist ein Prüfungsteil. Erst ansehen (Audio-Klick 🔊), dann anwenden.

Das Störungsbild in drei Registern

Patientengespräch (Teil 1)Fachgespräch (Teil 3)Dokumentation · indirekte Rede (Teil 2)
„Ich bin seit Monaten fast nur noch traurig.“„Es besteht eine seit fünf Monaten anhaltende gedrückte Stimmung.“„Sie gibt an, sie sei seit Monaten fast durchgehend traurig.“
„Ich kann mich zu nichts aufraffen.“„Die Patientin zeigt eine ausgeprägte Antriebslosigkeit.“„Sie berichtet, sie könne sich zu nichts aufraffen.“
„Nichts macht mir mehr Freude.“„Es besteht ein deutlicher Interessenverlust (Anhedonie).“„Sie gibt an, nichts mache ihr mehr Freude.“
„Morgens ist alles am schlimmsten.“„Es besteht ein ausgeprägtes Morgentief.“„Sie berichtet, morgens sei alles am schlimmsten.“
„Ich wache jede Nacht um halb fünf auf.“„Sie beschreibt ein regelmäßiges Früherwachen gegen 4:30 Uhr.“„Sie schildert, sie wache jede Nacht gegen halb fünf auf.“
„Ich habe kaum Hunger und habe abgenommen.“„Es bestehen eine Appetitminderung und ein ungewollter Gewichtsverlust von vier Kilogramm.“„Sie gibt an, sie habe kaum Appetit und vier Kilo abgenommen.“
„Ich kann mich nicht konzentrieren, ich mache Fehler.“„Es zeigen sich Konzentrationsstörungen mit Fehlern am Arbeitsplatz.“„Sie berichtet, sie könne sich nicht konzentrieren und mache Fehler.“
„Ich will niemanden mehr sehen.“„Es besteht ein zunehmender sozialer Rückzug.“„Sie gibt an, sie wolle niemanden mehr sehen.“
„Ich mache alles falsch.“„Die Patientin äußert vermehrte Selbstvorwürfe und Schuldgefühle.“„Sie gibt an, sie mache alles falsch.“
„Manchmal denke ich, es wäre besser, nicht da zu sein.“„Es bestehen passive Suizidgedanken ohne konkrete Pläne; die Patientin ist glaubhaft absprachefähig.“„Sie räumt ein, sie denke manchmal, es wäre besser, nicht da zu sein.“

Die Spalte „Dokumentation“ zeigt bereits die indirekte Rede (Konjunktiv I) — Sie lesen sie mit und erkennen sie wieder; selbst bilden lernen Sie sie in Lektion 3. In dieser Lektion schreiben Sie die Patientenangaben mit „Die Patientin berichtet über …“ + Nomen — das ist ebenfalls prüfungstauglich.

Fachbegriffe der Lektion (mit Artikel und Plural)

BegriffBedeutung
die Antriebslosigkeit / der Antriebsmangelfehlende Energie, Handlungen zu beginnen
die Anhedonie / der InteressenverlustVerlust von Freude und Interesse
das Morgentief (die -s)deutlich schlechteres Befinden am Vormittag
das FrüherwachenAufwachen deutlich vor der gewohnten Zeit
die tageszeitliche Schwankung (die -en)Befinden ändert sich im Tagesverlauf
die Appetitminderung (die -en)verminderter Appetit, oft mit Gewichtsverlust
die Konzentrationsstörung (die -en)verminderte Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit
der soziale RückzugKontakte werden gemieden (sich zurückziehen)
der Selbstvorwurf (die -vorwürfe)sich selbst die Schuld geben (jemandem etwas vorwerfen)
die Suizidgedanken (Pl.) — passiv/aktivpassiv: „lieber nicht da sein“ · aktiv: mit Plan/Vorbereitung
die Absprachefähigkeit (absprachefähig sein)der Patient kann sich glaubhaft von Suizidhandlungen distanzieren
die somatische AbklärungAusschluss körperlicher Ursachen (Aufgabe des Arztes)
die PsychoedukationAufklärung über die Erkrankung und den Umgang damit
der Aktivierungsplan (die -pläne)systematischer Aufbau angenehmer Aktivitäten

Redemittel des Erstgesprächs (nach Funktion)

  • Eröffnen: „Was führt Sie heute zu mir?“ · „Schön, dass Sie da sind.“ · „Was belastet Sie im Moment am meisten?“
  • Vertiefen: „Können Sie mir das bitte genauer beschreiben?“ · „Können Sie mir schildern, wie sich Ihre Stimmung an einem typischen Tag verändert?“ · „Gibt es Tageszeiten, zu denen es Ihnen besonders schlecht geht?“ · „Wie wirkt sich das auf Ihren Alltag aus?“ · „Haben Sie so etwas schon früher erlebt?“ · „Was hilft Ihnen, wenn es Ihnen schlecht geht?“
  • Empathie & Validierung: „Das klingt sehr belastend.“ · „Das klingt sehr erschöpfend.“ · „Ich verstehe, dass das schwer für Sie ist.“
  • ⭐ Suizid-Screening (sensibel — feste Reihenfolge: Erlaubnis → offen → konkret → danken): „Darf ich Ihnen eine wichtige Frage stellen?“„Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass Sie nicht mehr leben möchten?“„Gibt es konkrete Suizidgedanken, Pläne oder Vorbereitungen?“„Danke für Ihre Offenheit.“
  • Zusammenfassen & sichern: „Ich fasse einmal zusammen, und Sie korrigieren mich bitte …“ · „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann …“ · „Habe ich Sie richtig verstanden?“

✍️ Jetzt anwenden

Ihr Ergebnis

0%
Frau Dr. VogelKI-Tutorin · FSP Psychotherapie