Derselbe Inhalt, drei Register — und jedes Register ist ein Prüfungsteil. Erst ansehen (Audio-Klick 🔊), dann anwenden.
Das Störungsbild in drei Registern
| Patientengespräch (Teil 1) | Fachgespräch (Teil 3) | Dokumentation · indirekte Rede (Teil 2) |
|---|---|---|
| „Ich bin seit Monaten fast nur noch traurig.“ | „Es besteht eine seit fünf Monaten anhaltende gedrückte Stimmung.“ | „Sie gibt an, sie sei seit Monaten fast durchgehend traurig.“ |
| „Ich kann mich zu nichts aufraffen.“ | „Die Patientin zeigt eine ausgeprägte Antriebslosigkeit.“ | „Sie berichtet, sie könne sich zu nichts aufraffen.“ |
| „Nichts macht mir mehr Freude.“ | „Es besteht ein deutlicher Interessenverlust (Anhedonie).“ | „Sie gibt an, nichts mache ihr mehr Freude.“ |
| „Morgens ist alles am schlimmsten.“ | „Es besteht ein ausgeprägtes Morgentief.“ | „Sie berichtet, morgens sei alles am schlimmsten.“ |
| „Ich wache jede Nacht um halb fünf auf.“ | „Sie beschreibt ein regelmäßiges Früherwachen gegen 4:30 Uhr.“ | „Sie schildert, sie wache jede Nacht gegen halb fünf auf.“ |
| „Ich habe kaum Hunger und habe abgenommen.“ | „Es bestehen eine Appetitminderung und ein ungewollter Gewichtsverlust von vier Kilogramm.“ | „Sie gibt an, sie habe kaum Appetit und vier Kilo abgenommen.“ |
| „Ich kann mich nicht konzentrieren, ich mache Fehler.“ | „Es zeigen sich Konzentrationsstörungen mit Fehlern am Arbeitsplatz.“ | „Sie berichtet, sie könne sich nicht konzentrieren und mache Fehler.“ |
| „Ich will niemanden mehr sehen.“ | „Es besteht ein zunehmender sozialer Rückzug.“ | „Sie gibt an, sie wolle niemanden mehr sehen.“ |
| „Ich mache alles falsch.“ | „Die Patientin äußert vermehrte Selbstvorwürfe und Schuldgefühle.“ | „Sie gibt an, sie mache alles falsch.“ |
| „Manchmal denke ich, es wäre besser, nicht da zu sein.“ | „Es bestehen passive Suizidgedanken ohne konkrete Pläne; die Patientin ist glaubhaft absprachefähig.“ | „Sie räumt ein, sie denke manchmal, es wäre besser, nicht da zu sein.“ |
Die Spalte „Dokumentation“ zeigt bereits die indirekte Rede (Konjunktiv I) — Sie lesen sie mit und erkennen sie wieder; selbst bilden lernen Sie sie in Lektion 3. In dieser Lektion schreiben Sie die Patientenangaben mit „Die Patientin berichtet über …“ + Nomen — das ist ebenfalls prüfungstauglich.
Fachbegriffe der Lektion (mit Artikel und Plural)
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| die Antriebslosigkeit / der Antriebsmangel | fehlende Energie, Handlungen zu beginnen |
| die Anhedonie / der Interessenverlust | Verlust von Freude und Interesse |
| das Morgentief (die -s) | deutlich schlechteres Befinden am Vormittag |
| das Früherwachen | Aufwachen deutlich vor der gewohnten Zeit |
| die tageszeitliche Schwankung (die -en) | Befinden ändert sich im Tagesverlauf |
| die Appetitminderung (die -en) | verminderter Appetit, oft mit Gewichtsverlust |
| die Konzentrationsstörung (die -en) | verminderte Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit |
| der soziale Rückzug | Kontakte werden gemieden (sich zurückziehen) |
| der Selbstvorwurf (die -vorwürfe) | sich selbst die Schuld geben (jemandem etwas vorwerfen) |
| die Suizidgedanken (Pl.) — passiv/aktiv | passiv: „lieber nicht da sein“ · aktiv: mit Plan/Vorbereitung |
| die Absprachefähigkeit (absprachefähig sein) | der Patient kann sich glaubhaft von Suizidhandlungen distanzieren |
| die somatische Abklärung | Ausschluss körperlicher Ursachen (Aufgabe des Arztes) |
| die Psychoedukation | Aufklärung über die Erkrankung und den Umgang damit |
| der Aktivierungsplan (die -pläne) | systematischer Aufbau angenehmer Aktivitäten |
Redemittel des Erstgesprächs (nach Funktion)
- Eröffnen: „Was führt Sie heute zu mir?“ · „Schön, dass Sie da sind.“ · „Was belastet Sie im Moment am meisten?“
- Vertiefen: „Können Sie mir das bitte genauer beschreiben?“ · „Können Sie mir schildern, wie sich Ihre Stimmung an einem typischen Tag verändert?“ · „Gibt es Tageszeiten, zu denen es Ihnen besonders schlecht geht?“ · „Wie wirkt sich das auf Ihren Alltag aus?“ · „Haben Sie so etwas schon früher erlebt?“ · „Was hilft Ihnen, wenn es Ihnen schlecht geht?“
- Empathie & Validierung: „Das klingt sehr belastend.“ · „Das klingt sehr erschöpfend.“ · „Ich verstehe, dass das schwer für Sie ist.“
- ⭐ Suizid-Screening (sensibel — feste Reihenfolge: Erlaubnis → offen → konkret → danken): „Darf ich Ihnen eine wichtige Frage stellen?“ → „Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass Sie nicht mehr leben möchten?“ → „Gibt es konkrete Suizidgedanken, Pläne oder Vorbereitungen?“ → „Danke für Ihre Offenheit.“
- Zusammenfassen & sichern: „Ich fasse einmal zusammen, und Sie korrigieren mich bitte …“ · „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann …“ · „Habe ich Sie richtig verstanden?“